Patienten in Zahlen gefasst – Wer wirklich in die Arztpraxis kommt (Teil I)

06.06.2002

Mit gezielten Maßnahmen kann der Arzt Einfluss auf die Art seiner Patienten nehmen. Natürlich ist es wichtig, wie die Infrastruktur um die Praxis herum aussieht. Aber auch praxisintern gibt es einige Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Wissen Sie, welche Patienten zu Ihnen kommen? Die Zahl der Scheine alleine hilft dem Arzt dabei nur wenig. Sie gibt nur Auskunft darüber, wie viele Patienten kommen, aber nicht welche. Die richtige Auskunft sollte die Praxis-EDV geben können. Eine wichtige Kennzahl ist die Altersverteilung der Patienten, die in die Praxis kommen. Als praktikabel hat sich die Einteilung in Fünferschritten erwiesen. Das bedeutet, die Zahl der Patienten in Altersgruppen zu ermitteln. Die Zeiträume, die erfasst werden, kann man monatlich oder im Quartal zusammenfassen. In der graphischen Ansicht, die viele Programme bieten, lässt sich daraus ein Schwerpunkt erkennen. Ein Vergleich mit dem Altersdurchschnitt der Gemeinde oder des Stadtteils, in dem die Praxis angesiedelt ist, lässt erkennen, ob eine große Veränderung des Altersdurchschnitts der Patienten realistisch ist. Den Altersdurchschnitt der Gemeinde erhält man zumeist beim Einwohnermeldeamt. Eine Anfrage dort hilft auch dann weiter, wenn man eine Praxis übernehmen will und von Yuppies als Patientenklientel träumt. Mit der richtigen EDV sollte auch die Geschlechterverteilung und die Verteilung nach Mitgliedern/Familienangehörigen und Rentnern einfach zu klären sein. Auskunft über das Einzugsgebiet der Praxis gibt die Frage nach der Herkunft der Patienten. Dazu sollte man eine Tabelle mit Postleitzahlen erstellen. Hat sich ein Arzt auf ein Fachgebiet spezialisiert, dann werden oft auch Patienten zu ihm überwiesen. Das kann bedeuten, dass die Zahl der Patienten konstant bleibt, aber das Einzugsgebiet wächst. Wichtig kann hier die Frage sein, wer Patienten in die Praxis überweist. Und warum kommen die Patienten gerade in diese Praxis und gehen nicht in eine andere? Hier muss die EDV passen, eine Patientenumfrage muss her. Sie sollte besonders dann mehrmals durchgeführt werden, wenn der Arzt Neuerungen wie zum Beispiel Wahlleistungen eingeführt hat. Die Auswertung gibt Antwort auf die Frage, ob die Maßnahmen effektiv waren oder ob nachgebessert werden muss. Zu guter Letzt stellt sich dann noch die Frage, wie oft die Patienten diese und nicht eine andere Arztpraxis wählen. Kommen sie nur zu einer Behandlung und sind dann wieder weg oder bleiben sie der Praxis erhalten? Ein Spezialist muss mit einer relativ hohen Fluktuation rechnen, schließlich überweisen andere Ärzte an ihn – in der Erwartung, dass die Patienten wieder kommen. Aber für nicht spezialisierte Bereiche sollte eine hohe Patientenbindung angestrebt werden.

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