Leistungen betriebswirtschaftlich bewerten

09.12.2002 (2)

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL) sind das Zauberwort, das angesichts von Budgets und floatenden Punktwerten die Rentabilität der Praxen retten soll. Doch sind die IGEL selbst rentabel? Stehen den Anschaffungskosten für Geräte und den Kosten für Mitarbeiterschulungen entsprechende Einnahmen entgegen?

Neben der Diskussion um den medizinischen Wert der einzelnen Leistungen wird die Frage nach der wirtschaftlichen Relevanz oft in den Hintergrund gedrängt. Grundlegende Daten zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der IGEL in der Praxis lagen auch drei Jahre nach der Festlegung der ersten IGEL-Liste nicht vor. Mit einem Internet-basierten „IGEL-Kalkulator“ will die Kölner Frielingsdorf-Consult den Ärzten ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie sich schnell einen Überblick darüber verschaffen können, ob es sich für die Praxis lohnt, eine bestimmte Leistung anzubieten.

Zur Kalkulation der Einnahmen wurden hinsichtlich der angewandten Steigerungssätze die Mindestvorgaben der GOÄ zugrunde gelegt. Die Leistungen, die der Arzt selbst erbringt, wurden mit einem Steigerungssatz von 2,3 multipliziert. Bei Leistungen, die ausschließlich eine Arzthelferin ausführt, wurde ein Steigerungssatz von 1,8, bei Laborleistungen ein Steigerungssatz von 1,15 angenommen. Auf der Seite der Kosten schlagen die Anschaffungs- und Wartungskosten für Geräte zu Buche, außerdem Aufwendungen für Schulungen, Material- und Stromkosten, Raum- und Personalkosten.

Aufgrund dieser Angaben, die der Arzt in den virtuellen Fragebogen einträgt, errechnet der Kalkulator den Gewinn pro Leistung und pro Arztstunde. Zusätzlich wird die Rentabilität mit einem (schwach) bis drei (hoch) Punkten „benotet“, der zeitliche und organisatorische Aufwand für die Leistung wird in der Bewertungskategorie „Praxisverträglichkeit“ ebenfalls mit einem bis drei Punkten bewertet.

Der IGEL-Kalkulator bietet Zugriff auf eine umfangreiche IGEL-Datenbank, gleichzeitig kann der Arzt eigene IGEL definieren und auf Rentabilität untersuchen. Frielingsdorf Consult betont allerdings, dass hier keinerlei Aussagen über die medizinische Wirksamkeit der aufgeführten Leistungen gemacht werden. Die medizinische Einschätzung bleibt dem Arzt überlassen.

Oliver Frielingsdorf, Juniorchef des Kölner Beratungsunternehmens, macht deutlich, dass eine solide wirtschaftliche Basis die Voraussetzung für medizinische Qualität ist. „Die mangelhafte Kalkulation der ärztlichen Leistung – Grundprinzip des EBM? – bereitet den Boden, auf dem ärztlicher Vertrauensmissbrauch gegenüber dem Patienten überhaupt erst gedeihen kann.“ Wenn ein Arzt aufgrund medizinischer Erwägungen in eine neues Gerät investiere und nach einem Jahr erst feststelle, dass sich die Anschaffungskosten nicht amortisieren, gerate er in ein Dilemma: „Belege ich nun ein Verkaufstraining oder schlucke ich den finanziellen Verlust?“ So drohe das Berufsethos unter dem Primat wirtschaftlicher Zwänge zu leiden. Rechtzeitige Rendite-Berechnungen verhinderten in Sachen IGEL, dass der Arzt in Gewissensnöte gerate.

Um den Kalkulator nutzen zu können, muss der Arzt sich registrieren lassen und ein Punktekonto einrichten. Pro Berechnung einer IGEL werden fünf bis zehn Punkte abgezogen. Der Preis ist gestaffelt. 

web: www.frielingsdorf-consult.de
www.igel-kalkulator.de

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