Finanzierung: Leasing oder Bankdarlehen?

20.09.2005

KÖLN (MedCon) – Leasing-Angebote klingen oft verlockend. Vor allem seit die Banken im Zuge von Basel II die Hürden bei der Kreditvergabe höher gelegt haben, erscheint diese Form der Finanzierung vielen Praxisinhabern als eine interessante Alternative. Allerdings ist Leasing in der Regel eine teure Finanzierung. Deshalb sollten Vor- und Nachteile zunächst gründlich abgewogen werden. Dr. P. brauchte ein neues Ultraschallgerät. Doch bei dem Gedanken deshalb mit seiner Bank über einen Kredit verhandeln zu müssen, war ihm gar nicht wohl. Nur zu gut erinnerte er sich noch an die zähen Verhandlungen, als er vor drei Jahren ein Darlehen benötigte, um seine Praxis umzubauen. Und da dieses Darlehen noch nicht abbezahlt war, ging P. davon aus, dass die Bank einem weiteren Kredit äußerst skeptisch gegenüberstehen würde. Deshalb spielte er mit dem Gedanken, das Ultraschallgerät nicht zu kaufen sondern zu leasen. Ein befreundeter Kollege, mit dem er darüber sprach, riet ihm jedoch, die Leasingangebote zunächst vom Steuerberater oder einem betriebswirtschaftlichen Berater prüfen zu lassen. Denn die Frage ob Leasing eine attraktive Finanzierungs-Alternative ist, hängt davon ab, in welcher Situation sich die Praxis befindet, welche Ziele mit der Investition verfolgt werden und natürlich auch von den Konditionen des Leasingvertrages. Beim Leasing handelt es sich um ein mietähnliches Verhältnis zwischen Leasinggeber und Leasingnehmer. Dahinter steckt die Überlegung, Liquidität zu schonen, indem man ein Investitionsgut, das man nur begrenzte Zeit nutzt, nicht kauft, sondern mietet (to lease = mieten, pachten). Nach der Person des Leasinggebers wird dabei zwischen direktem und indirektem Leasing unterschieden. Beim direkten Leasing tritt der Hersteller selbst als Leasinggeber auf. Beim indirekten Leasing tritt zwischen Hersteller und Leasingnehmer eine Leasinggesellschaft, die das Leasingobjekt beim Hersteller erwirbt und dann dem Leasingnehmer zur Nutzung überlässt. Auf den ersten Blick bietet Leasing einige Vorteile: - Anders als bei der Bank müssen beim Leasinggeber keine detaillierten Businesspläne vorgelegt werden. - Anders als die Bank verlangt der Leasinggeber keine Sicherheiten. Das beleihbare Vermögen wird also geschont und kann ggf. als Sicherheit für andere Finanzierungsvorhaben dienen. - Liquidität und der Kreditrahmen bei der Bank werden geschont. - Die Leasingraten sind steuerlich sofort voll absetzbar. - Anders als bei einem Bankdarlehen, bei dem ggf. nach Auslauf der vereinbarten Zinsbindung mit höheren Zinsen gerechnet werden muss, stehen die Leasingraten fest und sind damit gut kalkulierbar. - Das Leasingobjekt kann nach Ablauf der Leasingzeit zurückgegeben werden. Danach kann der Arzt es durch ein neues Gerät ersetzen. So bleibt er immer auf dem neuesten Stand der Technik und hat in der Regel auch deutlich weniger reparaturbedingte Ausfallzeiten und Kosten. Oder der Arzt verzichtet nach Ablauf der Leasingzeit auf ein neues Gerät, wenn sich gezeigt hat, dass die damit erwirtschafteten Einnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, oder wenn das Gerät in Zukunft aufgrund geänderter Rahmenbedingungen nicht mehr gewinnbringend eingesetzt werden kann. Neben der Bequemlichkeit ist also die Flexibilität ein entscheidender Vorteil bei der Finanzierung durch Leasing. Die Liquidität wird geschont und es bleibt ggf. Raum für weitere Investitionen. Wenn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Anschaffung eines teuren medizinisch-technischen Gerätes notwendig ist, kann Leasing deshalb sinnvoll sein. Auch wenn es für die Praxis wichtig ist, technisch immer auf dem neuesten Stand zu sein, ist Leasing eine Überlegung wert. Das gleiche gilt, wenn ein Arzt das Leistungsspektrum seiner Praxis erweitern will. So kann er testen, ob die Patienten das neue Angebot auch in dem erhofften Umfang annehmen. Stellt sich nach einiger Zeit heraus, dass sich das Gerät nicht amortisiert, kann er es (nach Ablauf der Leasingzeit) wieder zurückgeben. Doch diese Flexibilität kostet natürlich auch Geld. Und so ist Leasing in der Regel eine vergleichsweise teure Finanzierung. Zusätzlich zu dem Wertverlust, der über die Nutzungsdauer anfällt, berechnet der Leasinggeber natürlich Zinsen für die Kapitalüberlassung und Verwaltungsgebühren. Und auch die kalkulatorischen Gewinne und Wagnisse des Leasinggebers fließen in die Leasingraten ein. Außerdem müssen mit dem Leasingvertrag meist auch langfristige Wartungs- und Versicherungsverträge abgeschlossen werden. Zwar fallen Unterhaltskosten auch beim Kauf eines Gerätes an, aber der Zwang, bestimmte Verträge abzuschließen entfällt. Auch unter Berücksichtigung der steuerlichen Aspekte, die von den Leasinganbietern in der Werbung oft stark betont werden, bleibt Leasing in der Regel teuer. Schließlich macht sich der steuerliche Effekt nur bei einem sehr hohen Steuersatz deutlich bemerkbar. Außerdem kann die sofortige Berücksichtigung des Liquiditätsabflusses bei der Ertragssteuer nicht nur beim Leasing, sondern auch beim Kauf eines Gerätes mittels Kredit erreicht werden. Dazu müssen Tilgungsplan und Abschreibung synchronisiert werden. Nachdem Dr. P. mit seinem Berater ausführlich die Vor- und Nachteile des Leasings diskutiert hatte, entschloss er sich dann doch, sein neues Ultraschallgerät zu kaufen und die Investition über einen Bankkredit zu finanzieren. Die Gesamtkosten lagen hier deutlich niedriger als beim Leasing, vor allem weil P. das Gerät langfristig nutzen wollte. Das Kreditgespräch mit der Bank gestaltete sich auch gar nicht so schwierig, wie der Arzt anfangs befürchtet hatte. Gemeinsam mit seinem betriebswirtschaftlichen Berater hatte P. dieses Gespräch sorgfältig vorbereitet. Er konnte der Bank aussagekräftige Zahlen über die wirtschaftliche Entwicklung seiner Praxis insgesamt und eine detaillierte Amortisationsrechnung für das neue Ultraschallgerät präsentieren. Diese Zahlen und auch das Auftreten von Dr. P., der sich als umsichtiger Unternehmer präsentieren konnte, haben den Bankberater überzeugt und ihn dazu veranlasst, P. einen Kredit zu attraktiven Konditionen einzuräumen.

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