Immer noch keine effektive Therapie des Stevens-Johnson-Syndrom

02.05.2008 FREIBURG (MedCon/Reuters Health) – Eine retrospektive Auswertung von Daten der EuroSCAR-Studie hat keine Belege für eine Wirksamkeit spezifischer Ansätze in der Therapie von Stevens-Johnson-Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse ergeben.

Insbesondere habe die Studie gezeigt, dass der vermutete potenzielle Nutzen einer Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen „nicht bestätigt werden kann“, berichten Wissenschaftler um Jürgen Schneck vom Dokumentationszentrum schwerer Hautreaktionen der Universität Freiburg. Die schweren Hautreaktionen bei Stevens-Johnson-Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse sind „durch ausgedehnte Ablösung abgestorbener Epidermis und Schleimhauterosionen gekennzeichnet“, schreiben die Autoren in der Januarausgabe des Journal of the American Academy of Dermatology. Eine etablierte Therapie gibt es für das Krankheitsbild bislang noch nicht.

Schneck und Kollegen analysierten in ihrer Studie den Einfluss verschiedener Behandlungsmodalitäten auf die Mortalität bei 281 Patienten aus Frankreich und Deutschland, die an der EuroSCAR-Untersuchung – einer Fallkontrollstudie zu Risikofaktoren der Erkrankung – teilnahmen. Diese Patienten wurden entweder nur unterstützend behandelt oder erhielten zusätzlich intravenöse Immunglobuline (IVIG), IVIG plus Kortokosteroide oder aber Kortikosteroide alleine.

„Weder intravenöse Immunglobuline noch Kortikosteroide zeigten – verglichen mit Supportive Care alleine – einen signifikanten Effekt auf die Mortalität“, berichtet das Team. Gegenüber Supportive Care war das Mortalitätsrisiko mit intravenösen Immunglobulinen in Frankreich rund 1,4fach (95%-Konfidenzintervall: 0,6-4,3), in Deutschland rund 1,5fach (95%-KI: 0,5-4,4) . Bei Verwendung von Kortikosteroiden zeigte sich ein nicht-signifikanter Trend zu einer gesenkten Mortalität , hier lagen die Odds Ratios bei 0,4 (95%-KI 0,1-1,7) in Frankreich, bzw. 0,3 (95%-KI 0,1-1,1) in Deutschland.

„Offensichtlich sei die Aussagekraft einer beobachtenden Studie mit retrospektiven Daten limitiert, merkt die Arbeitsgruppe an, wobei z.B. die Heterogenität zwischen den Ländern, der Art der unterstützenden Behandlung, Dosierung und Dauer der Therapie eine Rolle spielten. Nichtsdestoztrotz „verdienr der möglichen Nutzen von Kortikosteroiden in der Therapie des Stevens-Johnson-Syndrom und der toxischen epidermalen Nekrolyse weitere Forschung“, halten die Autoren abschließend fest.

Quelle: J Am Acad Dermatol. 2008 Jan;58(1):33-40

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar schreiben