„Schönheitswahn“: Nicht nur Begriff, sondern auch Krankheit

22.12.2004

KÖLN (MedCon) – Perfekte Haut, Haare und Körperproportionen – wer träumt nicht davon? Dafür wird viel Geld in Kosmetik und zunehmend mehr auch in die Schönheitschirurgie investiert. Doch immer öfter erleben Ärzte Patienten, die gerade zu besessen von einer Verbesserung ihres Aussehens sind, bzw. sie werden „mit Behandlungswünschen von Patienten konfrontiert, deren Leidensdruck unter einem entstellenden Makel in Widerspruch zum objektiven Befund steht“, schreibt Prof. Ulrich Stangier (Jena) in einer dermatologischen Fachzeitschrift. Ihr Leiden: körperdysmorphe Störung (KDS).

Betroffene beschäftigen sich ständig mit dem Körperteil, das sie als hässlich empfinden, kontrollieren sich vor jedem greifbaren Spiegel. Und: Sie gehen davon aus, dass ihr empfundener Makel anderen ebenso auffällt und sie deswegen als abstoßend empfunden werden. Daher finden Betroffene ihren Wunsch, nach kosmetischer bzw. ästhethisch-chirurgischer Beseitigung des Makels, auch völlig berechtigt, dessen Ablehnung durch den befundenden Arzt wird als persönliche Zurückweisung verstanden, schreibt der Jenaer Psychologe. Typisch ist auch eine manchmal wahnhafte Fixierung auf ihr Problem.

Und: Viele Patienten leiden in Folge oder begleitend an Depressionen und weiteren Persönlichkeitsstörungen. Wichtig ist daher – laut Stangier – , dass der konsultierte Haus-/Hautarzt die den äußeren Schwierigkeiten zugrunde liegenden seelischen Probleme erkennt und psychotherapeutisch behandelt bzw. Betroffene an einen Fachkollegen überweist. „Ziel muss es sein, ein mangelndes Selbstbewusstsein bzw. ein negatives Selbstbild zu überwinden“, resümiert Stangier.

Quelle: Der Deutsche Dermatologe, 7.12.04

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