Hautcreme verursacht Tumore bei Mäusen

Ob die untersuchten Hautcremes wirklich Tumore induzieren, soll weiter untersucht werden. (Bildquelle: Anna Heinzelmann/dpa)
Ob die untersuchten Hautcremes wirklich Tumore induzieren, soll weiter untersucht werden. (Bildquelle: Anna Heinzelmann/dpa)

25.08.2008 – NEW YORK (Reuters Health/MedCon) Bestimmte handelsübliche Hautcremes können - zumindest bei Mäusen - Hauttumore verursachen. Das zeigte eine Studie der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey, in der ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Wachstum von Krebstumoren und dem Gebrauch herkömmlicher Hautcremes Beiersdorf-Investoren verunsicherte.

Experten sollen nun überprüfen, in wieweit diese Cremes auch beim Menschen Geschwüre verursachen können, so die Forscher.

Die US-Forscher hatten neben "Eucerin Original Creme" auch noch drei weitere US-Produkte getestet. Insgesamt fanden sie mehrere Cremes, die bei den speziell gezüchteten Mäusen, die mit ultravioletter Strahlung vorbehandelt worden waren, Krebs verursachten. "Dermabase" von Patrick Laboratories, "Dermovan" von Galderma und "Vanicream" von Pharmaceutical Specialities kamen im Vergleich zu Eucerin sogar auf noch dramatischere Werte.

Der diagnostizierte Krebs gehöre nicht zu der tödlichsten Hautkrebs-Variante Melanom, betonten sie in ihrem Artikel im Journal of Investigative Dermatology, sondern sei ein Plattenepithelkarzinom. Dieser Tumor wächst langsam, ist gut behandelbar und nur gefährlich, wenn er unvollständig entfernt wird.

Laut Dr. Jonathan Rees, einem Experten für Dermatologie von der University of Edinburgh in Schottland, stellt das Plattenepithelkarzinom kein gesundheitliches Problem dar. "Nicht-Melanom-Hautkrebs beim Menschen tritt sehr, sehr häufig auf und ist durch eine Operation, die für gewöhnlich leichter ist als eine Zahnfüllung, zu nahezu 100 Prozent heilbar", so Rees.

Allan Conney und seine Kollegen von der Rutgers University in New Jersey sagten, sie hätten das Risiko für die Erkrankung während eines Tests entdeckt, bei dem die Theorie untersucht werden sollte, dass Koffein vor Hautkrebs schützt. "Wir stießen quasi per Zufall auf diese Ergebnisse," sagt Conney in einem Telefoninterview. "Wir wollten eine Schutzcreme, die wir mit Koffein anreichern können."

Sie testeten speziell gezüchtete Albinomäuse, die anfällig gegenüber Hautkrebs waren. Die unbehaarten Mäuse wurden zunächst mit ultravioletter Strahlung vorbehandelt, um Menschen zu simulieren, die sich in der Vergangenheit sehr stark der Sonne ausgesetzt hatten, aber dies dann unterließen - eine Situation, die in der Bevölkerung auftreten könnte, sobald Menschen das Risiko der Sonnenbräune erkennen.

Nachdem die Versuchstiere 17 Wochen lang mit den Hautpflegemitteln eingerieben worden waren, zeigten sie fast alle eine höhere Tumoraktivität.

Conneys Arbeitsgruppe entschied, zunächst die Cremes selbst zu testen und bemerkte, dass alle vier, die sie testeten, auf den Mäusen Tumore verursachten.
Er sagt, er könne es nicht begründen, verdächtige aber zwei Inhaltsstoffe - Mineralöl und Natriumlaurylsulfat. "Wir würden gern den Mechanismus verstehen. Von größter Bedeutung ist, ob diese Feuchtigkeitscremes beim Menschen tumorbildend sind." so der Studienleiter Conney.

Conney sagte, sein Labor sei dafür nicht ausgerüstet, aber jemand anders sollte [die Untersuchungen weiterführen]. Er fügte aber hinzu: "Ich glaube nicht, dass die Menschen Angst haben müssen, da es sich um eine Studie mit Mäusen handelt und wir bislang nicht wissen, ob sie auch auf den Menschen übertragen werden kann oder nicht."

Er hatte bereits nach der Veröffentlichung der Untersuchung im "Journal of Investigative Dermatology" eingeräumt, dass die Ergebnisse nur für Mäuse gälten.

Andere Experten stehen der Studie skeptisch gegenüber. "Es handelt sich um eine ziemlich künstliche Situation, bei der die Haut der unbehaarten Mäuse einer Menge an UV-Strahlen ausgesetzt wurde und Krebs entstand", so Karol Sikora, Medizinischer Direktor bei Cancer Partners in England.

Mäuse werden laut Conney üblicherweise als Modelorganismen für Hautkrebs verwendet, aber er stimme damit überein, dass sie keine perfekten Abbilder der menschlichen Haut und des menschlichen Verhaltens darstellen.

Er sagte, seine Arbeitsgruppe sei an Johnson & Johnson herangetreten, um gemeinsam eine Creme ohne verdächtige Inhaltsstoffe zu entwickeln, und sie hätten eine mit anderen, leicht verfügbaren Inhaltsstoffen entwickelt. "Es sind Stoffe, die üblicherweise in vielen Feuchtigkeitscremes verwendet werden", so Conney. Diese Creme habe die Tumore in den Mäusen nicht hervorgerufen, sagen sie.

Er meinte, Rutgers und Johnson & Johnson hätten die neue Creme bereits gemeinsam patentieren lassen, man wisse aber nicht, ob sie bis zur Marktreife gebracht werde. Ein Sprecher des Unternehmens stand augenblicklich nicht für einen Kommentar zur Verfügung.

Die Resultate seien aber insgesamt betrachtet ein deutlicher Warnhinweis. Die Beiersdorf AG wies in diesem Zusammenhang auf die fortlaufende dermatologische Kontrolle ihrer Produkte hin.

Quelle: Journal of Investigative Dermatology (14 Aug 2008), doi: 10.1038/Reuters Health

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