Detection Bias beim Screening auf familiäre Karzinome möglich

08.11.2005

NEW YORK (Reuters Health) – Wenn Mitglieder einer Familie auf Karzinome hin gescreent werden, kurz nachdem der erste Fall identifiziert worden ist, kann – Befunden einer neuen Studie zufolge – ein Detection Bias auftreten. Dies könnte wichtige Auswirkungen darauf haben, wie Familienmitglieder hinsichtlich ihres Risikos beraten werden, sagen die Autoren.

In der Studie, die im Journal of the National Cancer Institute vom 2. November vorgestellt wird, war es wahrscheinlicher, dass familiäre Karzinome bald nachdem der erste Fall identifiziert wurde, detektiert werden, als dass sie Jahre später gefunden werden.

„Der wahrscheinlichste Grund für den zeitnahen Nachweis familiärer Karzinome besteht darin, dass die erste Diagnose zum früheren Nachweis einiger asymptomatischer Tumoren durch eine verstärkte Beobachtung bei den Verwandten führt“, schreiben die Studienautoren Dr. J. Lorenzo Bermejo und Prof. Dr. Kari Hemminki vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Die Befunde basieren auf einer Studie an 1,6 Millionen Verwandten ersten Grades von 846.448 Studienteilnehmern, bei denen die Diagnose Krebs gestellt wurde. Die Verwandten wurden von dem Jahr an, indem der erste Fall in der Familie diagnostiziert wurde, beobachtet, bis bei ihnen selbst die Diagnose Krebs gestellt wurde, sie starben, auswanderten oder bis zum 31. Dezember 2002.

Die Töchter von Brustkrebspatientinnen hatten im Jahr der Diagnose der Mutter eine 4,78-mal höhere Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen ein Mammakarzinom in situ festgestellt wurde als fünf oder mehr Jahre später. Töchter, bei denen die Diagnose im selben Jahr wie bei ihren Müttern gestellt wurde, waren jünger und die Diagnose wurde früher im Kalenderjahr gestellt als bei ihren Gegenstücken, bei denen die Diagnose mindestens fünf Jahre später gestellt wurde.

Ähnliche Ergebnisse wurden bei Melanomen erhalten, aber in diesem Fall waren beide Geschlechter betroffen und das Risikoverhältnis für eine frühe Detektion betrug das 8,27-Fache.

Für das Zervixkarzinom in situ, das Mammakarzinom in situ und das invasive Prostatakarzinom nahm das Risiko eines Familienmitglieds, eine Diagnose dieser bösartigen Neubildung zu erhalten, ab, je mehr Zeit seit der ersten familiären Diagnose vergangen war.

In einem diesbezüglichen Leitartikel kommentiert Dr. Marvin Zelen von der Harvard School of Public Health in Boston, dass „es offensichtlich ist, dass bei der Beratung Sorgfalt walten muss, wenn es darum geht, Krebsrisiken einzusetzen, die aus Beobachtungen von Familien stammen. Solche Daten haben inhärente Verzerrungen, nicht nur aufgrund einer potenziellen Beobachtungsverzerrung, sondern auch aufgrund der Verzerrungen, die aufgrund von Fluktuationen in der Familiengröße bestehen.“

Quelle: J Natl Cancer Inst 2005;97:1556-1557,1575-1579.

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