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NEW YORK (Reuters Health) – Der in den letzten Jahren zu beobachtende Anstieg der Melanomraten in den USA könnte eher eine erhöhte diagnostische Gründlichkeit als einen wirklichen Anstieg der Inzidenz widerspiegeln, heißt es in den Ergebnissen einer Beobachtungsstudie.
Dr. H. Gilbert Welch von der Dartmouth Medical School in Hanover, New Hampshire, und Kollegen erhielten die Medicare-Versicherungsdaten für Patienten von 65 und mehr Jahren, die von 1986 bis 2001 am SEER-Programm (Surveillance Epidemiology and End Results) des US National Cancer Institute teilgenommen hatten.
Die Inzidenz des Melanoms zeigte einen „stetigen, auffallenden Anstieg“ über die Zeit, stellen die Autoren in ihrem Bericht fest, der am 4. August in der Online-Vorabausgabe des BMJ veröffentlicht wurde. Die durchschnittliche Biopsierate stieg um das 2,5fache, während die Inzidenz des Melanoms um das 2,4fache zunahm.
Stadienspezifische Analysen ergaben, das der Anstieg auf die In-situ- und die lokale Erkrankung begrenzt war, während die Inzidenz der Erkrankung mit regionaler und Fernlokalisation sich nicht wesentlich veränderte. Die krankheitsspezifische Mortalität blieb stabil.
„Die Kombination eines deutlichen Anstiegs bei den Erkrankungen im Frühstadium mit einer geringen Veränderung bei den Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium und einer ebenfalls geringen Veränderung der Mortalität sind Argumente dafür, dass eine Überdiagnostizierung stattfindet“, obwohl das nicht heißen soll, dass „es nicht wirklich eine gewisse Zunahme der Erkrankung gegeben hat“, erläuterte Welch gegenüber Reuters Health.
Die Autoren räumen ein, dass eine alternative Erklärung ihrer Befunde darin bestehen könnte, dass sich eine frühere oder bessere Therapie vor dem Hintergrund einer gestiegenen Inzidenz in einer stabilen Mortalität widerspiegeln könnte, aber das „erscheint nicht plausibel“, ergänzen sie. Andererseits würde die Krankheitslast nicht so eng mit der Biopsierate verbunden sein.
Dr. Rhoda Narins, Professor für Dermatologie an der New York University School of Medicine und Präsident der American Society for Dermatologic Surgery, sagte, dass sie nicht der Ansicht zustimme, „dass dies ein Problem der Überdiagnostizierung sei“.
„Ich denke, dass wir mehr Melanome früh erkennen und sie behandeln“, kommentiert Narins gegenüber Reuters Health.
Die Kriterien für dessen Diagnose haben sich verändert, und ich glaube, dass die Leute früher zum Arzt gehen“, sagte sie. „Die Pathologen sind auch sensibler dafür geworden und sehen in Befunden, die sie früher vielleicht als dysplastische Naevi betrachtet hätten, jetzt ein Melanom im Frühstadium.“
Sie ergänzte: „Wie dem auch sei, ich glaube, wenn sich der Arzt unsicher ist, ob eine Veränderung ein Melanom darstellt, dann sollte er oder sie es lieber entfernen als so etwas zu beobachten, denn es kann eine tödliche Krankheit sein, und es ist daher eine lebensrettende Maßnahme.“
Welch stimmte dem zu, dass verdächtige Läsionen entfernt werden sollten. Aber „wir sollten die Frage da heraus halten, ob Leute, die besorgniserregende Veränderungen haben, ihren Arzt aufsuchen sollten, bzw. ob wir jeden zu einem Massen-Screening der Haut einladen sollten, egal, ob ein beunruhigender Befund vorliegt“, sagte er.
"Die Überdiagnostizierung gutartiger Veränderungen ist möglicherweise schädlich wegen der psychischen Belastung für die Personen, bei denen fälschlich die Diagnose Krebs gestellt wird, was ja nicht trivial ist, plus der erhöhten Häufigkeit von Untersuchungen zur Beobachtung“, ergänzte er.
„Und obwohl die Operation einfach ist, ist sie im Falle einer Melanomdiagnose gewöhnlich ausgedehnter als sie es normalerweise wäre“, fügte er hinzu. „Die Chirurgen entfernen einen breiteren Rand mit, und in bestimmten Bereichen des Körpers kann es kompliziert werden, z. B. im Gesicht oder in der Nähe des Gesäßes.“
Quelle: BMJ 2005.
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