- Alle Fachbereiche
- Politik
- Kliniken & Praxen
- Medizin & Forschung
- Akne
- Atopisches Ekzem
- Haar & Nagel
- Phlebologie
- Psoriasis
- Diverses
NEW YORK (Reuters Health) – Die Evidenz hinsichtlich der Aussagekraft von Prognosefaktoren bei Krebs ist möglicherweise durch die selektive Publikation und Verbreitung von Studien sowie durch die Selektion spezifischer Analysen, die stärkere Schätzungen für die Bedeutung des Prognosefaktors ergeben, unausgewogen, warnen Wissenschaftler im Journal of the National Cancer Institute vom 20. Juli.
„Die leicht einsehbaren Studien und Analysen zeichnen möglicherweise ein verzerrtes Bild davon, ob ein prognostischer Faktor wichtig ist oder nicht”, merkte Studienautor Dr. John Ioannidis von der Universität Ioannina, Griechenland, in Kommentaren gegenüber Reuters Health an.
Zusammen mit seinen Kollegen erforschte er diese Tendenzen in einer Meta-Analyse des Tumor-Suppressor-Proteins TP53 als Prognosefaktor für die Mortalität bei Plattenepithelkarzinomen im Kopf- und Halsbereich. Sie prüften Studien, die publiziert und in den wissenschaftlichen Datenbanken MEDLINE und EMBASE unter den Begriffen „Überleben“ oder „Mortalität“ indiziert waren, wie auch publizierte Studien, die nicht indiziert waren, sowie unveröffentlichte Daten, die sie bei Wissenschaftlern abfragten.
Laut Dr. Ioannidis und Kollegen zeigten die 18 publizierten und indizierten Studien mit 1364 Patienten eine statistisch hoch signifikante Verbindung zwischen TP53-Status und Mortalität. Die Hinzunahme von 13 Studien mit 1028 Studienteilnehmern, die publizierte, aber nicht indizierte Daten umfassten, schwächte den beobachteten Zusammenhang jedoch merklich. Die statistische Signifikanz ging nach Hinzunahme von elf nicht veröffentlichten Studien mit 996 Patienten verloren.
Das Team fand zudem, dass 72 Prozent (13 von 18) der veröffentlichten Meta-Analysen zu 37 Prognosefaktoren bei Krebs keine standardisierten Definitionen einsetzten und 89 Prozent keine zusätzlichen Informationen erfassten, was in beiden Fällen die starke Assoziation zwischen Prognosefaktor und Karzinom, die in diesen Studien beobachtet wurde, verstärkt haben könnte.
„Möglicherweise sind in der Literatur, die sich mit Prognosefaktoren für Krankheitsverläufe bei Karzinomen befasst, größere Verzerrungen bei der Auswertung am Werk“, bilanziert Dr. Ioannidis’ Team. „So lange sie nicht erkannt und entsprechend behandelt werden, können diese Tendenzen eine fehlerhafte Wissensbasis zu Prädiktoren bei Krebs ergeben, die möglicherweise unnütz und potenziell schädlich ist.“
Die Autoren eines Leitartikels sagen, diese Studie liefere „den bislang zwingendsten Beweis, dass die publizierte Literatur zur Prognose eine gravierende Verzerrung der Wahrheit ist“.
„Die Wissenschaftlergemeinschaft, die sich mit der Erforschung von Tumormarkern befasst, muss zu derselben Erkenntnis kommen, zu der vor Jahrzehnten jene kamen, die klinische Studien durchführen“, schreiben Dr. Lisa M. McShane vom National Cancer Institute in Bethesda, Maryland, und Koautoren. „Wenn einwandfreie wissenschaftliche Prinzipien hinsichtlich einer sorgfältigen Konzeption der Studien, einer angemessenen Studiengröße, einer gewissenhaften Sammlung der Daten und geeigneter Analysestrategien nicht beachtet werden, wird das Fachgebiet ins Schwimmen geraten.“
Quelle: J Natl Cancer Inst 2005;97:1023-1025,1043-1055.
Noch keine Kommentare vorhanden.