Wie der Körper die Haare vor seinen Abwehrzellen schützt

Haarausfall kann durch die eigene Immunabwehr verursacht werden. (Bildquelle: picture-alliance/medicalpicture)
Haarausfall kann durch die eigene Immunabwehr verursacht werden. (Bildquelle: picture-alliance/medicalpicture)

28.08.2008 – MÜNCHEN (MedCon) Ein Forscherteam der Ludwig-Maximilians-Universität München hat einen bisher unbekannten Mechanismus zur Vorbeugung von Autoimmunerkrankungen entdeckt. Dabei handelt es sich um Abwehrreaktionen des Organismus gegen körpereigene Zellen oder Gewebe.

Auch bestimmte Formen des Haarausfalls gehen auf diese fehlgerichteten Abwehrreaktionen des Körpers zurück. Als Ursache vermuten Wissenschaftler entsprechende genetische Anlagen in Kombination mit Umweltfaktoren. Verantwortlich für den Angriff auf körpereigene Strukturen - wie die Haare - sind dann in erster Linie für die Immunabwehr wichtige Abwehrzellen, die T-Zellen.

Im gesunden Körper werden sie, wenn sie auf körpereigene Strukturen reagieren, in der Thymusdrüse vernichtet, bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung funktioniert diese Präventionsstrategie nicht. Die Münchner Forscher konnten jedoch einen weiteren Mechanismus zur Prävention nachweisen.

In der Fachzeitschrift Immunity berichtet das Team um Prof. Thomas Brocker, dass in den Lymphknoten und der Milz beständig eine Art Qualitätskontrolle stattfinde, die sicherstelle, dass keine Abwehrreaktion gegen körpereigene Strukturen entsteht. "Dieser Befund könnte die Grundlage für neue Behandlungen gegen Autoimmunerkrankungen sein", so Brocker.

T-Zellen werden im Knochenmark gebildet. Da sie dort jedoch zufällig und nicht zielgerichtet produziert werden, müssen sie danach noch sortiert werden. Diese Selektion findet im Thymus statt, dort wird jede T-Zelle getestet: Gefährliche Einzelgänger, die möglicherweise eine Abwehrreaktion gegen körpereigenes Material provozieren könnten, werden dabei vernichtet.

Die T-Zellen werden aber auch noch ein zweites Mal getestet, und zwar in den Lymphknoten und der Milz. Dort wird überprüft, ob die T-Zellen körpereigene Proteine angreifen: "Wenn die Immunzellen spezifisch körpereigene Proteine erkennen können, sind sie potenziell gefährlich und werden inaktiviert oder abgetötet", erläutert Brocker.

Diese Befunde zeigten erstmals, dass dieser aktive Prozess im Optimalfall T-Zellen entschärft und so das Entstehen von Autoimmunerkrankungen verhindert. "Letztlich könnten unsere Ergebnisse also zu neuen Behandlungen von Autoimmunerkrankungen führen", hofft der Experte.

Quellen: Immunity, Bd. 28, Ausgabe 4, 11. April 2008; Mitteilung der LMU München vom 14. April 2008

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