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INZELL, 05. Februar (MedCon) – Frühe Anzeichen einer Schuppenflechte (Psoriasis) bei Kindern und Jugendlichen werden häufig übersehen oder falsch interpretiert. Die Folge: Bis die richtige Diagnose gestellt und damit eine angemessene Therapie in die Wege geleitet wird, vergeht oft unnötig viel Zeit. Auf dieses Problem wies kürzlich Privatdozent Dr. Michael Buslau von der Sanitas Alpenklinik, Inzell, in der Zeitschrift „hautnah dermatologie“ hin.
Schätzungen zufolge sind 0,3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen. So beginnt die Schuppenflechte immerhin bei jedem dritten Psoriasis-Patienten in jungen Jahren. Nicht selten tritt eine Psoriasis in diesem Alter nach einem Infekt – wie einer Mandel- oder Mittelohr-Entzündung – auf. Verschlimmert sich eine Schuppenflechte immer wieder nach einer eitrigen Mandelentzündung, kann in Einzelfällen sogar zu einer Entfernung der Mandeln geraten werden. Überdurchschnittlich häufig sind Infektionen mit bestimmten Bakterien – Streptokokken – der Auslöser.
Im Genitalbereich wird bei Kleinkindern die Psoriasis auch nicht selten mit einer Pilzinfektion, einer Hautentzündung aufgrund der Windeln oder einer anderen Hauterkrankung – dem seborrhoischen Ekzem – verwechselt. Denn aufgrund der Feuchte der Haut bilden sich hier an manchen Stellen kaum Schuppen – das Hautbild ist oft nicht besonders typisch für eine Psoriasis.
Gemeinsam mit der Schuppenflechte kann laut Buslau übrigens auch eine Neurodermitis auftreten – was früher als ausgeschlossen galt. Typische Kennzeichen – wie die scharf abgegrenzten Herde bei der Psoriasis oder der starke Juckreiz der Neurodermitis – können dann allerdings fehlen.
Zur Therapie kämen grundsätzlich die gleichen Arzneimittel wie bei Erwachsenen in Frage, wobei Arzneimittel zur äußerlichen Anwendung Vorrang hätten, erläutert der Hautarzt. Eine UV-Therapie könne in Einzelfällen ab einem Alter von zwölf Jahren in Betracht gezogen werden, darunter normalerweise eher nicht – das Risiko für Hautkrebs darf nicht unterschätzt werden.
Psychosoziale Aspekte werden dem Fachmann zufolge noch zuwenig beachtet. Denn heute weiß man, dass – ähnlich wie bei Neurodermitis – psychischer Stress als auslösender Faktor wirken kann. Antistress-Training sowie Programme, in denen individuelle Probleme wie Isolation, Ablehnung, Angst oder Ärger auf den Tisch kommen, schulen Kinder gezielt im Umgang mit ihrer Krankheit.
Wird diese psychische Dimension einbezogen, verbessert sich auch die Therapietreue, meint Buslau – so dass die Behandlung insgesamt besser anschlägt. An der Inzeller Klinik werden deshalb alljährlich Kindercamps für besonders schwer betroffene Kinder und Jugendliche veranstaltet, in denen sie Probleme thematisieren und Bewältigungsstrategien erlernen können.
Quelle: hautnah dermatologie (2002), 18. Jahrgang, Ausgabe 6, S. 274 – 276
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