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– MAINZ (MedCon) – Nach fünf Jahre währenden Debatten feiern die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) nun die Aufnahme der Diagnose "Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren" in den Katalog der Krankheiten ICD-10 (International Classification of Diseases).
Endlich wird damit die moderne Auffassung chronischen Schmerzes als bio-psycho-soziale Erkrankung gewürdigt. Damit wird auch eine angemessene multi-modale Behandlung chronischer Schmerzen sowie deren korrekte Abrechnung möglich. "Profitieren werden davon letztlich die acht bis zehn Millionen Schmerzpatienten in Deutschland", freut sich Prof. Rolf-Detlef Treede, Präsident der DGSS.
Unter chronischem Schmerz leiden ca. 17 Prozent der deutschen Bevölkerung, am häufigsten sind Rücken-, Kopf-, Nerven- und Tumorschmerz. Schmerzen sind der Anlass für 50 Prozent aller Arzt-Patienten-Kontakte. Die direkten und indirekten Kosten allein der Rückenschmerzen werden auf 25 Milliarden
Euro pro Jahr geschätzt.
Bislang segelten Schmerzpatienten in Kliniken jedoch unter falscher Flagge: Für sie kamen nur unzutreffende Diagnosen in Frage, die entweder nur auf körperliche Erkrankungen oder ausschließlich auf psychische Probleme Bezug nahmen. Eine angemessene Behandlung, die sowohl körperliche als auch seelische und soziale Aspekte der Schmerzkrankheit berücksichtigt, war nur schwierig umzusetzen und konnte von den Krankenkassen nicht angemessen vergütet werden. Zudem blieb die tatsächliche Anzahl der Betroffenen und somit der Bedarf qualifizierter Schmerztherapie unerfasst.
Eine Initiative innerhalb der DGSS wurde vor fünf Jahren aktiv und ging gegen diesen Missstand an. Unter ihrer Federführung zogen schließlich 13 wissenschaftliche Fachgesellschaften an einem Strang und führten jetzt eine Einigung mit den Behörden in dieser äußerst heiklen Frage herbei. "Die neue Diagnose ist für uns ein Durchbruch", unterstreicht Prof. Treede. "Zumal wir in Deutschland die ersten weltweit sind, in deren Krankheiten-Katalog das moderne Konzept des Schmerzes als bio-psycho-soziale Erkrankung verankert ist."
Quelle: DRK Schmerz-Zentrum Mainz.
Hintergrund-Info
Im ICD-10 heißt es im Kapitel Somatoforme Störungen:
F45.41 Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren Im Vordergrund des klinischen Bildes stehen seit mindestens 6 Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen, die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung haben. Psychischen Faktoren wird eine wichtige Rolle für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen beigemessen, jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn. Der Schmerz verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen. Der Schmerz wird nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht (wie bei der vorgetäuschten Störung oder Simulation).
Schmerzstörungen insbesondere im Zusammenhang mit einer affektiven, Angst-, Somatisierungs- oder psychotischen Störung sollen hier nicht berücksichtigt werden.
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