Regierungswechsel: Rösler soll es in der Gesundheitspolitik richten

Der designierte Bundesgesundheitsminister Rösler (Foto: Rösler)
Der designierte Bundesgesundheitsminister Rösler (Foto: Rösler)

26.10.2009 – HANNOVER/BERLIN (dpa/BIERMANN) – Größer könnte der Kontrast wohl kaum sein: Auf das "SPD-Schlachtross" Ulla Schmidt im Gesundheitsressort soll der junge FDP-Politiker Dr. Philipp Rösler folgen.

Der erst 36 Jahre alte niedersächsische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident hat für die FDP erfolgreich den schwarz-gelben Gesundheitskompromiss ausgehandelt. Am Ende feierten die Freidemokraten die geplante Einführung eines Systems mit pauschalen Beiträgen als Sieg. Schließlich dürften damit die Tage des von ihnen stets bekämpften Gesundheitsfonds gezählt sein.

So zäh und langwierig die Gesundheitsverhandlungen auch waren, der Arzt Rösler, der schon länger als "Senkrechtstarter in der FDP" gilt, trat immer betont smart, sachlich, ausgleichend auf. Nur einmal fuhr er Unions-Verhandlungsführerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Parade, weil diese in einem nächtlichen Moment vor laufender Kamera beim Fonds vorpreschte.

Rösler (36), seit 1992 Mitglied der FDP und bereits vier Jahre später Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, hatte erst am 18. Februar dieses Jahres das Amt des niedersächsischen Wirtschaftsministers übernommen. Sein Vorgänger, Walter Hirche, war aus Altersgründen ausgeschieden. Den Vorsitz der niedersächsischen FDP-Landtagsfraktion hatte Rösler wegen seiner neuen Aufgaben in der Landesregierung an den parlamentarischen Geschäftsführer Jörg Bode abgegeben.

Der auch gerne als "Overachiever" bezeichnete Rösler war schon seit längerem über die niedersächsische Landespolitik hinaus bekannt. 2007 führte er die niedersächsische FPD als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf. Bereits 2006 hatte er von Hirche das Amt des niedersächsischen FDP-Landesvorsitzenden übernommen und galt seitdem auch als heißer Anwärter auf Hirches Ministeramt. Seit 2005 ist Rösler Mitglied im Bundespräsidium der FDP. 2003 übernahm er den Vorsitz der FDP-Landtagsfraktion in Niedersachsen, und bereits mit 27 Jahren wurde Rösler Generalsekretär der Landes-FDP. Die Funktion des Generalsekretärs der Bundes-FDP war ihm ebenfalls schon angeboten worden, doch hatte Rösler diesen Posten abgelehnt.

Rösler wurde am 24. Februar 1973 in Südvietnam (Khan Hung) geboren und als Baby von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Als er vier Jahre alt war, trennten sich die Eltern. Rösler blieb beim Vater, einem Berufssoldaten. 1992 trat er in die Bundeswehr ein, wurde Sanitätsoffizier und studierte Medizin in Hannover. Rösler, Lakritz-Liebhaber, Hobby-Bauchredner und Vater von Zwillingen, gilt als scharfzüngig, charmant, verbindlich.

Um die Karriere-Planung in der Politik scheint sich der designierte Bundesgesundheitsminister aber keine Sorgen zu machen. Noch bevor er sein Ministeramt im Land Niedersachsen angetreten hatte, überraschte er mit dem Gedanken an seinen Abschied aus der Politik. Immer wieder erklärte er, mit 45 sei Schluss. Dann wolle er mit der Politik aufhören, um sich von ihr nicht verändern zu lassen. So könnte er sich beispielsweise eine Tätigkeit bei der Friedrich-Naumann-Stiftung vorstellen.

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